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„Einzigartige Chance, weltweites Beispiel für Klimaschutz und Wirtschaftswachstum zu werden“

„Einzigartige Chance, weltweites Beispiel für Klimaschutz und Wirtschaftswachstum zu werden“

Mit dem Fit for 55 Paket hat die EU eine der größten Herausforderungen für die Industrie auf den Weg gebracht, die es je gegeben hat. Als erster Kontinent der Welt klimaneutral werden bis 2050 – das ist ein klares und richtiges Ziel und gleichzeitig auch eine Aufgabe für Politik, Gesellschaft und Industrie. Die Automobilindustrie schließe sich dem aus Überzeugung an und treibe den Wandel entschlossen mit gewaltigen Investitionen für Forschung, Entwicklung und dem Um- und Neubau von Werken voran, so der Verband der Automobilindustrie (VDA) in einer aktuellen Mitteilung.

„Die EU-Kommission hat sich sehr ambitionierte Ziele für die Zukunft gesetzt. Wir können und werden diese Ziele erreichen, wenn dem Standort und den Unternehmen die richtigen Voraussetzungen gegeben werden, diese Transformation umzusetzen. Die ambitioniertesten Klimaziele der Welt müssen durch die Schaffung der weltweit besten Standortbedingungen flankiert werden“, erklärt VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

Fit for 55 sei eine riesige industriepolitische Herausforderung, so Müller weiter. Zur großen Chance werde das Programm durch die richtigen Rahmenbedingungen: „Parlament, Kommission und Nationalstaaten müssen jetzt den Standort Europa fit für 55 machen. Es ist wichtig, dass die verschiedenen Regulierungen konsequent und logisch aufeinander abgestimmt werden“. Ein klimaneutrales Europa dürfe nicht bedeuten, dass die Industrieproduktion aus Europa in weniger ambitionierte Regionen der Welt abwandert. „Im Gegenteil: Industrieproduktion muss auf unserem Kontinent bleiben und es muss weiter nach unseren hohen Standards produziert werden. Das wäre eine Win-Win-Situation für Klima und Jobs – eine Win-Win-Situation, die wir realisieren müssen, um unser Modell in die Welt zu tragen. Es ist die einzigartige Chance, weltweites Beispiel für Klimaschutz und Wirtschaftswachstum zu werden“, so Müller weiter.

Vor dem Hintergrund der heutigen Abstimmungen im EU-Parlament sei es nun entscheidend, die strategisch richtigen Entscheidungen zu treffen.

Die Automobilindustrie habe sich klar zu einem schnellen Hochlauf der Elektromobilität bekannt. Der schnelle, verbindliche und flächendeckende Ausbau der Ladeinfrastruktur in allen EU-Mitgliedsstaaten sei zwingend notwendig, um diese ambitionierten Ziele zu erreichen. An der Stelle müsse die AFIR-Verordnung mehr Ehrgeiz entwickeln, so Müller: „Was die Mitgliedstaaten letzte Woche beschlossen haben, reicht nicht aus. Wir brauchen mehr Ladesäulen und Wasserstofftankstellen – und zwar europaweit“. Ein entsprechender Monitoring-Prozess des Aufbau-Fortschritts sei ein unverzichtbares Instrument, um mehr Planbarkeit und Tempo zu realisieren. Fakt sei: Ohne eine flächendeckende Ladeinfrastruktur können die Klimaziele im Straßenverkehr nicht erreicht werden.

Für die Festlegung eines Ziels für das Jahr 2035 sei es angesichts unklarer Entwicklungen hinsichtlich der Rahmenbedingungen zu früh, so Müller. „Vielmehr sollte auf Grundlage eines ausführlichen Reviews im Jahr 2028 entschieden werden“. Insbesondere der Ausbau der Ladeinfrastruktur müsse geprüft und beurteilt werden, um auf dieser Grundlage eine ausgewogene Entscheidung für die Zielsetzung nach 2030 zu treffen. Dabei sei es wichtig, sich auch nach 2035 die Tür für den Einsatz aller klimafreundlichen technologischen Lösungen offen zu halten – auch mit Blick auf eine strategische Resilienz im Kontext steigender Rohstoffabhängigkeiten. „Verbote helfen nicht weiter, sie fördern weder Innovationen noch Akzeptanz. Ein Verbrennerverbot lehnen wir daher ab“, so die VDA-Präsidentin.

Ein Emissionshandelssystem sei das zentrale Leitinstrument zur CO2-Reduktion – das gelte auch für den Verkehr. Ein wirksamer CO2-Preis, auf Grundlage einer verlässlichen Mengenbegrenzung, könne klare Investitionssignale setzen und so den gesamten Verkehrssektor zur Nachhaltigkeit entwickeln. „Mit einem einheitlichen Preissignal werden alle Akteure in der Lieferkette – vom Rohstoff über den Kraftstoff bis zum Recycling – gleichermaßen in die Erreichung der Klimaziele eingebunden“, sagt Müller, und auch die Verbraucherinnen und Verbraucher bekämen ein klares Preissignal. „Dadurch wirkt der ETS als Instrument zur Beschleunigung der Defossilisierung in der gesamten Wertschöpfungskette. Soziale Härten können dabei zielgenau abgefedert werden“, findet Müller.

„Mobilität muss für alle zugänglich und bezahlbar sein“

Alle Technologien würden gebraucht, um klimaneutralen Verkehr zu realisieren. „Alternative, klimaneutrale Kraftstoffe wie E-Fuels sind ebenfalls mitentscheidende Faktoren und notwendiger Teil der Lösung“, sagt die VDA-Präsidentin. Der Bestand an Fahrzeugen (aktuell 1,5 Milliarden weltweit und 280 Millionen in der EU) müsse zwingend mitgedacht und adressiert werden, weshalb auch der Revision der Renewable Energy Directive noch eine wichtige Rolle zukommen werde.

Grundsätzlich sei es bei der kompletten Umsetzung des Fit for 55 Pakets zentral, die soziale Ausgestaltung und die Lebensrealitäten aller Menschen zu berücksichtigen. „Mobilität muss für alle zugänglich und bezahlbar sein. Transformation gelingt nur mit gesellschaftlichem Rückhalt und der Bereitschaft der Menschen, den Wandel mitzutragen. Unerlässlich ist daher auch, dass die Industrie in Europa wettbewerbsfähig produzieren kann – nur so gelingt es Arbeitsplätze in Europa zu sichern“, so Müller.

Das Fit for 55 Paket sei eine nie da gewesene Herausforderung und gleichzeitig eine einmalige Chance, resümiert Müller: „Die Welt beobachtet das europäische Jahrhundertprojekt. Ob man uns nacheifert, ob man mitzieht – all das hängt davon ab, ob Europa zeigen kann, dass Klima-, Sozial- und Wirtschaftspolitik zu einem nachhaltigen Erfolgsmodell und Wettbewerbsvorteil wird.“

Quelle: VDA – Pressemitteilung vom 07.06.2022

Der Beitrag „Einzigartige Chance, weltweites Beispiel für Klimaschutz und Wirtschaftswachstum zu werden“ erschien zuerst auf Elektroauto-News.net.

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