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Reisebericht: Mit dem Elektroauto nach Lappland

Reisebericht: Mit dem Elektroauto nach Lappland

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Mit dem Elektroauto in den Urlaub zu fahren, klingt für viele noch nach dem Wunschdenken vereinzelter Idealisten. Doch inzwischen ist die Idee gar nicht mehr so utopisch. Ich habe genau das getan: ich bin im Frühjahr 2022 mit meiner Renault ZOE durch Schnee und Eis bis nach Lappland gefahren.

Ein Reisebericht über 2.850 Roadtrip nach Lappland

Mein Ziel war die Minenstadt Kiruna, die insgesamt knapp 2.850 km von Hamburg entfernt in der nordschwedischen Provinz Norbotten, kurz unterhalb der norwegischen Grenze, liegt. Allerdings war ich noch nie eine vergleichbare Strecke mit der ZOE gefahren, ich war damit noch nicht einmal aus Deutschland herausgekommen. Gab es da oben überhaupt genug Ladestationen? Erfahrungsberichte, die eine vergleichbare Reise mit dem Elektroauto beschreiben, waren nur schwer aufzutreiben und die wenigen, die ich fand, beantworteten mir oft nicht die Fragen, die ich hatte.

Meine ZOE hat offiziell eine Reichweite von 385 km, aber das klappt natürlich nur unter Idealbedingungen. Innerhalb von Deutschland war bisher auf die Kilometeranzeige recht gut Verlass gewesen. Aber wie das Ganze unter erschwerten Bedingungen – viel Schnee oder Regen, vereiste Straßen, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, viele und starke Steigungen, mehr Gewicht durch das Gepäck – aussah, musste ich erst noch herausfinden. Da ich nicht auf Berichte anderer zurückgreifen konnte, beschloss ich, es einfach kurzerhand auf eigene Faust zu versuchen und das Beste zu hoffen. Würde schon schiefgehen.

Schlafen in der Renault ZOE – es geht tatsächlich!

Der einfachste Teil der Reise war die Frage nach den Übernachtungsmöglichkeiten: Ich schlief im Auto. Ich hatte dafür die Lehne der Rückbank herausgenommen (die gesamte Rückbank kann man leider nicht ohne Weiteres entfernen) und den Kofferraum ausgebaut, sodass ich eine ebene Liegefläche hatte. Mit meinen 1,74 cm war das – diagonal liegend – gerade noch leidig bequem möglich. Jeden Abend suchte ich mir einen schön gelegenen Rastplatz (oder auch mal weniger schön gelegenen, aber dafür ruhigen Parkplatz), wo ich die Nacht verbringen konnte. Diese fand ich einfach mithilfe der Satellitenfunktion von Google Maps.

Park4Night und ähnliche Apps kann man zwar auch nutzen, allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Plätze dann oft schon zu überfüllt sind und man doch weitersuchen muss. Campingplätze öffnen in Schweden und Norwegen erst Mitte/Ende April, daher war das keine Option und mir ein Hotel zu nehmen, fand ich für die kurze Zeit unnötig. Aber wer etwas mehr Komfort benötigt, findet auch da genug Möglichkeiten. Der Kälte trotzte ich mit einem extrem warmen Thermoschlafsack, der mich tatsächlich so warm hielt, dass meine sicherheitshalber eingepackte Wärmflasche gar nicht zum Einsatz kommen musste. Die nötige Katzenwäsche wurde auf Rastplätzen und an Tankstellen erledigt.

Ich muss gestehen – vor allem anfangs gruselte ich mich etwas vor der ganzen Unternehmung. Und es ging auch gleich schief los: Die erste in Dänemark angefahrene Säule war nicht nur belagert von einer ganzen Reihe anderer vor mir wartender Autos – sondern schockte, als ich endlich dran war, meine ZOE in einen Systemabsturz. Ein kurzer Panikmoment – gleich am Anfang der Reise mit einem kurzgeschlossenen E-Auto in Dänemark gestrandet! – doch wie ein braver Computer, ließ sich die ZOE einmal ab- und wieder anschalten und lief danach wieder einwandfrei. Der Rest der Überfahrt nach Schweden verlief ereignislos (bis auf dass die schwedische Grenzbeamtin meinen aufgetürmten Schlafsack hinten mit einem kleinen Kind verwechselte und mich kurz des Menschenschmuggels bezichtigte, aber wem ist das nicht schon passiert).

Schweden begrüßte mich mit einem Schneegestöber. Und als ich bei meinen Freunden angekommen war, befand ich mich mitten in einem Winterzauberland, erreichbar nur über notdürftig befreite vereiste Straßen durch den verschneiten Wald. Das Thermometer zeigte -8 Grad, die Reichweitenanzeige der ZOE 180 km. Mein ursprünglicher Plan war zu diesem Zeitpunkt noch gewesen, die gesamte Strecke bis Kiruna entlang Schwedens Ostküste zu fahren. Angesichts der dann doch arg zusammengeschrumpften Kilometerzahl disponierte ich spontan ein wenig um.

Umwege für Ladeinfrastruktur

Die ZOE hatte meine Erwartungen zwar bisher wirklich übertroffen (und mich nicht einmal im Stich gelassen, als das Navi uns einmal fälschlicherweise mitten über einen unbefestigten – und dementsprechend schlammigen und felsigen – Waldpfad schickte. Brave ZOE!), aber ich war mir unsicher, ob es in Nordschweden oberhalb von Luleå wirklich noch genug Lademöglichkeiten gab, um sicher in Kiruna anzukommen. Daher beschloss ich, lieber den Umweg über Norwegen zu nehmen, wo man die Ladeinfrastruktur zuverlässiger einschätzen kann. Dort liegen die Abstände zwischen den einzelnen Ladesäulen immer bei etwa 120 km, auch bis in den hohen Norden.

In Nordschweden hingegen sieht das Ganze etwas magerer aus: zumindest Schnelllader findet man teilweise nur alle 200 km oder noch weiter entfernt. Ladestationen mit Typ 2 Stecker gibt es etwas häufiger, aber diese sind oft nicht zuverlässig auf der Karte zu finden und oft ist unklar, ob und welchen Anbieter sie überhaupt bedienen.

Nach zwei Tagen voller gutem Essen, Lachen und Kaminfeuerwärme in Südschweden machte ich mich also auf Richtung Trondheim, gefühlt hinein in die Wildnis. Die erste Nacht verbrachte ich auf einem Truckerparkplatz im Wald direkt vor der norwegischen Grenze, ins gleißende Licht der Scheinwerfer der laut dröhnenden LKW getaucht, und wachte am nächsten Morgen mit von innen zugefrorenen Scheiben auf. Wenn Schweden ein sanftes Winterzauberland ist, ist Norwegen seine große beeindruckende Schwester. Die Landschaft wurde schlagartig rauer, wilder, das Wetter harscher.

Es war zwar schon April, doch trotzdem lagen neben den Straßen noch meterhohe Schneewehen und mehr als einmal musste ich zwischendurch anhalten, um Eiszapfen von der ZOE abzuschlagen oder das zentimeterdick zugeeiste Nummernschild wieder zu befreien. Ich war noch nie eine derart szenische Autobahn gefahren wie die norwegische E6. Die Schnappschüsse der Landschaft, die ich auf die Schnelle bei kurzen Raststops machte, sind so unverschämt schön, als wäre ich eigens dafür stundenlang gewandert. Ebenso beeindruckend ist die norwegische Infrastruktur. Trotz winterlicher Verhältnisse war die E6 wirklich gut zu befahren, auch wenn ich mir ziemlich sicher den Zorn einiger Vielfahrer und Trucker zugezogen habe, indem ich mich doch deutlich vorsichtiger um die Serpentinen schlich als sie…

Ich fuhr möglichst vorausschauend – was manchmal schwierig ist, wenn man vor lauter Nebel nur zwei Meter weit sehen kann – und tendenziell ein wenig unter der Höchstgeschwindigkeit, denn die Straßen waren ab Schweden durchgehend nass und teilweise stark vereist. Immer mal wieder kam ich in einen Schneesturm oder starke Windböen. Ich wollte möglichst sparsam und möglichst weit kommen und blieb meistens im Eco und im B-Modus, verzichtete allerdings, dank Außentemperaturen zwischen 2 und -8° C, trotzdem nicht auf die Sitzheizung und eine auf kuschelige 22,5° C gestellte Heizung. Das Navigationssystem nutzte ich ebenfalls, genauso wie die Musikanlage, denn ich hörte fast durchgehend Hörbücher.

Reichweite der ZOE nimmt spürbar ab – Verluste einplanen

Wie zu erwarten, gab es reichweitentechnisch viel Verlust bei Steigungen, je kälter es wurde und je höher ich kam. Die ZOE zeigte die Reichweite im Durchschnitt zuverlässig an, im Einzelfall hieß das jedoch folgendes: Lag das Ziel auf einem Pass, konnte man gut 30 km von der anfangs angezeigten Reichweite abziehen, lag das Ziel im Tal, kam man mit Hilfe der Rekuperation auch gut schon mal 30 km weiter als angezeigt. Kam beides auf der Strecke vor, konnte man davon ausgehen, mit der angezeigten Kilometerzahl auszukommen…

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass ich bei den genannten Konditionen empfehlen würde, sicherheitshalber stets einen Reichweitenverlust von 30 bis 40 km einzuplanen. Außerdem sollte man mit bedenken, dass über das nächtliche Parken immer noch mal 5 bis 15 km Reichweite verloren gehen. Ansonsten empfand ich sowohl das Fahren als auch das Verhalten des Autos als sehr unproblematisch und vorhersehbar. Und selbst, als ich mich einmal im Schnee festgefahren hatte, konnte ich mich dank mitgebrachter Schneeketten problemlos wieder befreien.

Die einzige kritische Stelle war die, mit der ich schon von Anfang an gerechnet hatte: die letzten 175 km von Narvik bis Kiruna. Die Wettervorhersage sagte für den entscheidenden Tag -10 Grad an und ich war mir wirklich unsicher, ob die ZOE die komplette Strecke schaffen würde. Die zu Rate gezogenen Apps und Karten zeigten auf einem Drittel der Strecke bloß eine Teslastation beim Berghotel Fjället kurz vor Abisko an, an der der normale E-Autofahrer nicht laden kann. Doch manchmal lohnt sich ein einfaches Telefonat: Ich rief Rezeption des Hotels an, um zu fragen, ob ich im Notfall eine ihrer Campingsteckdosen für Wohnmobile nutzen könnte – woraufhin mich die freundliche Dame darüber informierte, dass sie natürlich auch reguläre Ladeanschlüsse für Elektroautos, nicht nur die für Teslas, am Hotel hätten, ich solle doch einfach vorbeikommen und mein Auto anhängen. Ganz einfach!

Das große Anbieterpuzzlen

Das führt mich zum nervigsten Teil der Reise und dem Teil, der vermutlich die meisten Menschen zunächst einmal von einem Elektroauto abschreckt: Der Vorausplanung.
Das Tagespensum durchzuplanen war noch das Geringste: Realistisch würde ich bei den aktuellen Temperaturen etwa 400 km am Tag fahren können, das wären etwa fünf Stunden Fahrtzeit plus noch einmal fünf bis sechs Stunden Ladezeit, wenn ich nur an Schnellladern lud. Dieser Teil der Planung war recht schnell abgehakt. Schwieriger war das Hantieren mit den verschiedenen Anbietern und deren Bezahlsystemen. Einen Einzelanbieter, mit dem man flächendeckend und länderübergreifend laden kann, gibt es bisher noch nicht. Man muss also puzzlen.

Einmal zur Veranschaulichung: Für Deutschland verwende ich meist die Ladekarte meines regionalen Anbieters, Hamburg Energie, außerhalb von Hamburg meist die Ladekarten von Plugsurfing oder EnBW. In Dänemark nutzte ich Clever (direkt über die App des Anbieters und mit umständlichem Eingeben der Kreditkartennummer bei jedem neuen Ladevorgang). In Schweden kamen App und Ladekarte von InCharge (Vattenvall), Mer Norge und Plugsurfing zum Einsatz, in Norwegen vor allem Mer Norge und Plugsurfing.

Für den allergrößten Notfall hatte ich außerdem eine mobile Wallbox mit Adaptersteckern im Gepäck (den Juice Booster 2, inkl. German Traveller Set). Damit sollte im Notfall möglich sein, auch sicher an anderen Stromquellen (wie normalen Schukos oder Campingsteckdosen) zu laden. Die Notfallbox musste allerdings glücklicherweise kein einziges Mal zum Einsatz kommen.

Die Route musste natürlich entlang des Ladenetzes geplant werden. Zur Hilfe nahm ich dazu die Ladestationenübersicht auf www.goingelectric.de. Dort gibt es die bei weitem umfangreichste Übersicht, die ich bisher finden konnte. Es gibt auch einige gute Apps (z.B. ChargeEV oder Chargemap), auch wenn einige Standorte darauf nicht verzeichnet sind. Außerdem haben die einzelnen Anbieter in ihren Apps auch eine Karte mit Standortübersicht der eigenen Ladesäulen und Partnerladestationen, dort kann man also ebenfalls nachschauen. Bei den meisten Anbietern kann man sich auch übrigens in der App anzeigen lassen, wie teuer der Ladevorgang voraussichtlich werden wird. Es lohnt sich also, vor dem Laden noch einmal zu vergleichen – vor allem wenn man über verschiedene Anbieter an der gleichen Säule laden kann oder es vor Ort mehrere Ladestationen gibt.

Mit Ausnahme von Clever hatte ich mit keinem der Anbieter Probleme. Dort wurde mein Auto mehrfach nicht erkannt, der Ladevorgang musste oft zwei oder drei Mal hintereinander gestartet, abgebrochen und wieder gestartet werden, die App erkannte die Kreditkarte nicht… Ich kam zwar am Ende in Schweden an, aber war dann auch buchstäblich etwas am Ende. Sobald ich jedoch Schweden und Norwegen erreicht hatte, gab es keine Schwierigkeiten mehr: Der Großteil der Ladestationen war in einwandfreiem Zustand. War ein Anschluss oder eine ganze Säule belegt oder doch einmal defekt, wurde dies zuverlässig in der App angezeigt, sodass man rechtzeitig umplanen konnte. Die erlaubte Ladedauer liegt in Schweden und Norwegen bei den meisten Säulen bei 45-60 Minuten – selbst wenn man also einmal warten muss, geht davon nicht die Welt unter. Dann geht man sich eben einmal die Beine vertreten, schnell aufs Klo oder macht ein Nickerchen.

Übrigens findet man immer wieder durch Zufall öffentlich zugängliche und häufig sogar kostenlose Ladesäulen, die bisher nirgendwo verzeichnet sind. Oft befinden sich diese an Hotels (wie zum Beispiel am Berghotel in Abisko), Campingsplätzen, Supermärkten oder von der Kommune gestellt in Städtezentren. Im Regelfall sind es Typ 2 Stecker. Google Maps zeigt viele solcher Ladestationen an, die bei keinem anderen Anbieter aufgeführt werden, allerdings sollte man dabei ein wenig aufpassen: denn oft sind dort auch private oder defekte Ladesäulen verzeichnet, zu denen man dann keinen Zugang hat.

Wenn man Zeit und Muße hat, probeweise einmal vorbeizufahren und selbst nachzuschauen, hat man vielleicht eine kostenlose Lademöglichkeit entdeckt. Darauf zu pokern, einen solchen Glücksgriff zu landen, sollte man zwar lieber nicht, aber es lohnt sich auf jeden Fall, immer ein wenig Ausschau zu halten – für den eventuellen Rückweg oder einfach, weil man die Informationen dann anderen zugänglich machen kann.

Mein Fazit zur Lappland-Reise

Das Reisen mit Elektroauto erfordert auf jeden Fall noch immer einiges an Mehraufwand als mit dem Verbrenner. Man sollte die realistische Reichweite seines Autos einschätzen können, die Route sollte darauf abgestimmt und am besten im Vorfeld geplant sein. Man muss sich über Ladesäulenanbieter der jeweiligen Länder, deren Standorte und Abrechnungssystem (lade ich jetzt über App, Ladekarte, Ladeschlüssel, einen QR Code, die Kreditkarte oder doch über SMS?) und am besten auch über deren Preise informieren, denn diese weichen teilweise stark voneinander ab.

So ein Wust an Informationen kann schon mal abschrecken. Doch hat man das Wirrwarr von Angeboten einmal überblickt, ist es gar nicht mehr so kompliziert – auf jeden Fall nicht so kompliziert, dass man sich davon abhalten lassen sollte, das E-Auto mit ins Abenteuer zu nehmen!

Eckdaten zur Reise nach Lappland

Renault ZOE R135 Z.E. 50, mit CSS
Reichweite: 385 km (unter Idealbedingungen)
Route: von Hamburg über Dänemark, Schweden, Norwegen nach Kiruna
Strecke: knapp 2.850 km
Tagespensum: ca. 400- 500 km
Rahmenbedingungen: Anfang April, also Temperaturen von 2 bis -10 Grad. Schneefall, vereiste Straßen, viele Steigungen

Über den Autor: Charlotte Götze

Der Beitrag Reisebericht: Mit dem Elektroauto nach Lappland erschien zuerst auf Elektroauto-News.net.

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