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Gebaut aus Kompromissen: SION von Sono Motors auf großer Geldtournee

Gebaut aus Kompromissen: SION von Sono Motors auf großer Geldtournee

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Kürzlich machte Sono Motors wieder Schlagzeilen: Das Geld ist verbraucht, der Börsengang war ein großer Flop und die Investoren haben kein Bock mehr. Welchen Geldhahn zapft man also noch an? Richtig, den der Community. Gerade in der E-Auto-Bubble gilt der Sono Sion aber als rückständig, unglaubwürdig und, nunja, auch optisch nicht sonderlich ansprechend. Aber was ist dran an der Kritik? Ich habe keine Kosten und Mühen gescheut, um mir den Sion einmal aus nächster Nähe anzusehen und mir ein qualifiziertes Urteil darüber zu bilden.

Nachdem die Sono Motors GmbH am 08. Dezember mit dem Titel „WIR HABEN ES NICHT GESCHAFFT“ wieder einmal die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, um nach Geld zu bitten, sorgte es für reichlich Aufruhr. Einige bekannte Gesichter aus der E-Autoszene machten sich über das Unternehmen lustig, lobten jedoch das Konzept. Viele, die das Fahrzeug jedoch schon angezahlt hatten, waren enttäuscht, frustriert und traurig. Sie suchten nach Antworten – Und Sono gab sie – zumindest in Teilen.

Denn hier zeigte sich ein erstes großes Problem des Sono Motors-Konstrukts: Kann ein Unternehmen, welches an der amerikanischen Börse notiert ist, überhaupt die Transparenz gewährleisten, die der Community immer versprochen wurde? Ich sage: Nein. Und bei Sono war man wohl ähnlicher Auffassung. Bei der „Community-Hauptversammlung“, welche zwei Tage später in München stattfand, stand unter anderem auch der CFO, sowie mehrere Juristen des Unternehmens zur Fragerunde bereit. Gut und gerne wurden hier Fragen unter dem Vorwand abgeblockt, dies dürfte man in diesem Kreis als Aktiengesellschaft nicht verkünden. So sehr ich selbst einen Wert auf Geheimhaltung von technischen und finanziellen Details lege: Wer Transparenz bewirbt, sollte sie auch halten.

Sono Motors: Ein Kennenlernen des SION in Oberhausen

Von Neugierde gelockt, blieb mir also nichts anderes übrig, als mir selbst ein Bild zu machen. Also beschloss ich, einen Termin bei Sono zu machen und sie im Rahmen ihrer Roadshow schnellstmöglich zwischen den Feiertagen in Oberhausen zu besuchen. Die Location war, wie soll man sagen, interessant. Von außen nur durch eine Sono-Beachflag zu erkennen, standen die zwei Sion gut ausgeleuchtet in einem noch viel besser verstecktem Raum. Der Raum hingegen war voll.

Noah Wand

Der erste Eindruck der Fahrzeuge war: Die sehen ja ganz anders aus, als man sie von Fotos kennt! Die „nahtlose“ PV-Integration ist plötzlich nicht mehr so unscheinbar, sondern ganz offensichtlich. Ein Mitarbeiter versicherte mir daraufhin, das sei bereits der Serienstand. Auch die Oberflächenanmutung der Karosserie lässt Wünsche offen. Zwar wurde eine matte Optik an den Tag gelegt, wirklich matt kann man diese aber noch lange nicht nennen. Die Oberfläche glänzt leicht und bietet wirklich eine sehr unangenehme Haptik. Die Flächen sind nach wie vor noch so wellig wie bei den bisherigen Prototypen, obwohl die einzelnen Kunststoffelemente bereits aus der Serienfertigung stammen. Betrachtet man jedoch das Publikum, dürfte diese Tatsache das geringste Problem sein. Familien mit Kindern und technikbegeisterte Männer jeden Alters fotografieren begeistert jede erdenkliche Stelle des Autos.

SION: Man darf kein Platzwunder erwarten!

Eine zweite Tatsache, die mir direkt ins Auge fiel, war die geringe Fahrzeuggröße in allen Dimensionen. Auch wenn ich persönlich Verfechter von Kleinwagen bin, habe ich nicht schlecht gestaunt, dass das Auto wesentlich kleiner zu sein scheint, als es auf Fotos und Videos immer den Eindruck erweckt hat. Damit gehen weitere Probleme einher. Wirklich jeder, der das Heck des Fahrzeugs betrachtet hat, hat über die viel zu niedrige Heckklappe geschimpft. Wen überrascht es auch? Die Scharniere setzen beim Fahrzeugdach von ca. 1,60 Metern Höhe an und heben die Heckklappe mittels Gasdruckdämpfer auf eine angewinkelte Endhöhe von ca. 1,80 Metern. Kopfstöße, für alle, die größer als 1,60 m sind, sind also vorprogrammiert.

Noah Wand

Gleichzeitig fällt die viel zu hohe Ladekante auf. Zwar ist so ein ebenengleiches Durchladen über die umgeklappte Rückbank hinweg möglich, jedoch werden hier mal locker 15 cm Höhe verschwendet. Hebt man den Ladeboden ein wenig an, offenbart sich darunter ein großer Stauraum, der jedoch durch die Wagenkästen stark verschmälert wird. Das Team versprach, die Techniker würden alles daran geben, die hohe Ladekante zu beseitigen, was aber nicht heißt, dass dies dann tatsächlich auch passiert. Ist die Rückbank nicht gerade im umgeklappten Zustand, findet man eine zu je einem Drittel und zwei Drittel geteilte Sitzmöglichkeit für drei Personen.

Ironischerweise ist in den Türgriffen der hinteren Türen der 3D-Schriftzug „MADE TO BE SHARED“ eingebracht. Warum ironischerweise? Nunja, die Rückbank lädt nicht gerade zum Verweilen ein und ich bezweifle, dass dort freiwillig jemand mitfährt. Ihr erkennt den etwas fragwürdigen Winkel der Rückenlehne im Verhältnis zur Sitzfläche am untenstehenden Foto.

Noah Wand

Positiv hingegen ist jedoch ausreichende Beinfreiheit, sowie ein durchgängiger Fahrzeugboden und eine 230V-Steckdose für hinten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob eine USB-Buchse es hinten nicht auch getan hätte. Möchte man sich wieder aus der unbequemen Sitzposition befreien, fällt einem das sehr billig anmutende Interieur des Fahrzeugs auf. Für den Preis per se nichts Tragisches, jedoch hätte ich mir gewünscht, dass das Design auf Höhe der Zeit ist und nicht wie ein Auto aus den späten 80ern aussieht.

Im Innenraum überzeugt der SION. Jedoch mit kleinen Tricks…

Wesentlich spannender wird es, wenn man sich auf den Fahrersitz begibt. Das Infotainment ist clean gestaltet. Das Islandmoos spendiert dem Innenraum eine frische Atmosphäre und hebt sich damit vom restlichen Design ab. Das hat Sono Motors richtig gut gemacht. Ebenso wie die Software im Übrigen. Tacho und Toucheinheit bieten ein schönes Bild und die Software läuft, dafür dass es ein Vorserienstand ist, erstaunlich flüssig. Rein optisch würde ich sogar glatt behaupten, dass es sich hier um das schönste Layout handelt, was ich je in einem Auto gesehen habe. Das dürfte aber unter anderem daran liegen, dass der Funktionsumfang sehr gering ist. Navigation und Vieles mehr sollen schließlich über Android Auto und Apple Car Play laufen.

Noah Wand

Wer sich die Bilder aber aufmerksam ansieht, dem dürfte auffallen, dass man hier fleißig geschummelt hat. Der Sion wird mit einem SOC von 53 % angezeigt, während eine Restreichweite von 283 km zu sehen ist. Bei einer WLTP-Reichweite von 305 km ziemlich unrealistisch. Auch der Rest des Cockpits bietet für diese Preisklasse ein schönes und harmonisches Bild. Lediglich das Lenkrad scheint noch nicht final zu sein: Das Design deutet stark darauf hin, dass das Lenkrad noch aus dem Hause VW stammt und lediglich mit einem Sono Motors Logo auf dem Deckel versehen wurde. Die Metalloptik am Lenkrad ist auf jeden Fall nicht sehr stimmig mit dem Rest des Innenraums.

Noah Wand

Der Motorraum des SION lässt tief blicken. Bis auf den Asphalt der Straße!

Wirft man einen Blick unter die Motorhaube, stellt sich heraus, dass sich darunter tatsächlich auch ein Motor befindet. Ja, der Sion hat einen Frontantrieb. Etwas peinlich: Vom Team vor Ort konnte mir keiner sagen, warum sich der Motor vorne befindet und nicht wie bei vielen anderen E-Autos an der Hinterachse. Ich hoffe, dass zumindest die zuständigen Ingenieure wissen, was sie da getan haben. Viel eher habe ich jedoch den Frunk vermisst, der aus Kostengründen weggelassen wurde. Einerseits verständlich, andererseits ein Feature, was ich persönlich sehr wichtig finde, um das Ladekabel oder schmutzige Schuhe unterzubringen.

Noah Wand

Vor allem hätte der Frunk aber eine Sache bewirken können: Er hätte den Besuchenden vertuscht, dass der Motorraum nicht verschlossen ist und man bis zum Asphalt hindurchblicken kann. Natürlich habe ich auch das bemängelt und hinterfragte, ob dies noch geschlossen wird. Die Aussage vom Mitarbeiter war: „Nein, das muss so sein. Das ist auch bei allen anderen Autos so.“ Leider hat er damit unrecht und war da bei mir an der falschen Adresse. Nahezu jedes Fahrzeug hat mittlerweile einen komplett abgekapselten Motorraum, ob Verbrenner oder E-Fahrzeug. Und besonders unter dem Aspekt der Aerodynamik hätte man wenigstens die Unterseite verkleiden können. Aber man scheint wohl sehr tierlieb zu sein und wollte ein neues Zuhause für Marder schaffen.

Noah Wand

Vor der Motorhaube, unter dem Sono-Logo, befindet sich die Ladeeinheit. Aus vorherigen Prototypen war diese noch als recht unübersichtlich bekannt. Zurückgeblieben ist der bidirektionale Typ B Stecker mit CCS-Einheit (11 kW AC; 75 kW DC) und eine einsame 230 V Steckdose. Daneben angeordnet sind die LED-Scheinwerfer, deren Design sehr gelungen ist. Dies war bereits der finale Serienstand und stammen bereits aus dem Werkzeug für die Serienproduktion. Gut gefallen haben mir die dezenten Einprägungen mit „Sono“ in den Scheinwerfern und der „Sion“-Schriftzug an der A-Säule. Die kleinen Details lassen das böse Schimpfwort „funktional“ dann doch ein bisschen liebevoller werden.

Was wird nun aus dem SION – ein Fazit!?

Einen Schluss zu finden ist hier schwer. So lobenswert das Konzept ist, so schlecht ist auch die Umsetzung. Natürlich fehlt Geld an allen Ecken und Enden. Und natürlich weiß jeder, wie es besser geht. Aber einige Probleme (wie beispielsweise die Heckklappe) sind einfach peinliche Konstruktionsfehler, welche das Fahrzeug im Gesamtkonstrukt schlecht dastehen lassen. Ich möchte mich bewusst aus der Finanzierung des Projekts raushalten und den Sion nur mit meinem technischen Know-How beurteilen. An Sono Motors habe ich bereits mehrfach mitgegeben, dass man das Fahrzeug nicht nur mit der Aussage „wir haben Solar auf der Karosserie“ vermarkten sollte, sondern auch die technische Finesse hierzu zeigen soll. Bisher wurde auf den Rat nicht eingegangen.

Ich möchte aber in Frage stellen, ob ein börsennotiertes Unternehmen wirklich noch seinem Versprechen von maximaler Transparenz an die Community nachkommen kann. Hierzu muss sich jeder selbst ein Bild machen.

Über den Autor: Noah ist 19 Jahre alt und seit zwei Jahren, also von Anfang an, elektrisch unterwegs. Er hat gerade seine Ausbildung als Produktdesigner in der Automobilzulieferer-Branche abgeschlossen und hat die technische Finesse, auch einmal etwas genauer unter die Haube zu schauen. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit allem was ohne Qualm rollt – Ob Bahn, Auto oder irgendetwas dazwischen.

Der Beitrag Gebaut aus Kompromissen: SION von Sono Motors auf großer Geldtournee erschien zuerst auf Elektroauto-News.net.

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