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Wie VW-Chefstratege Gernot Döllner die Elektrifizierung vorantreibt

Wie VW-Chefstratege Gernot Döllner die Elektrifizierung vorantreibt

Der Volkswagen-Konzern muss elektrisch und klimaneutral werden – so will es CEO Herbert Diess. Und auch Gernot Döllner, der seit Mai 2021 Chefstratege der Volkswagen AG ist. Er gestaltet den Wandel aktiv mit, für den Volkswagen insgesamt 89 Milliarden Euro bereitlegen möchten. Wie das gelingen soll und was geplant ist, haben wir recherchiert.

Mit der ersten Way to Zero-Convention hat Volkswagen Mitte 2021 Pläne zur Dekarbonisierung des Unternehmens und seiner Produkte konkretisiert. Bis spätestens 2050 will das Unternehmen bilanziell klimaneutral sein. Als neues Zwischenziel sollen die CO2-Emissionen pro Fahrzeug in Europa bis 2030 um 40 Prozent sinken – und das konzernweite Ziel von 30 Prozent deutlich übertreffen (Basis: 2018). Ein durchschnittlicher Volkswagen werde damit rund 17 Tonnen CO2 weniger emittieren. Neben einem beschleunigten Hochlauf der E-Mobilität sollen auch die Herstellung einschließlich der Lieferketten sowie der Betrieb von E-Autos bilanziell klimaneutral gemacht werden. Hinzu kommt das konsequente Recycling der Hochvoltbatterien alter E-Fahrzeuge. Gernot Döllner, einst Leiter Produkt und Konzept der Porsche AG, wurde zum 1. Mai 2021 Leiter Konzernstrategie, Konzernstrategie Produkt und des Generalsekretariats der Volkswagen AG. In diesen Funktionen berichtet er direkt an Herbert Diess, den Vorstandsvorsitzenden des Volkswagen Konzerns. Mit dem Wechsel zur Elektromobilität muss Gernot Döllner Pläne ausarbeiten, mit welchem Antrieb künftige Modelle unterwegs sein werden – doch Diesel oder Benziner werden nicht von heute auf morgen verschwinden …

Der Konzern- und Produktionsstandort in Wolfsburg wird transformiert und die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns durch höhere Investitionen in Zukunftstechnologien weiter gestärkt. Erstmals machen die Zukunftsinvestitionen, primär in E-Mobilität und Digitalisierung, mit 89 Milliarden Euro beziehungsweise 56 Prozent, den größten Anteil der Gesamtinvestitionen von 159 Milliarden Euro aus. Volkswagen erwartet, dass jedes vierte verkaufte Fahrzeug im Jahr 2026 einen batterieelektrischen Antrieb hat.

Dass es mit dem Verbrenner langsam zu Ende geht, steht auch für Gernot Döllner unwiderruflich fest. „Die Zukunft des Autos ist für mich elektrisch“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Und weiter: „Elektroautos seien jeder anderen Antriebsart allein schon technologisch bei Fahrbarkeit und Beschleunigung überlegen“. Dass der Übergang zur Elektromobilität noch einige Zeit vom Verbrenner begleitet wird, ist klar. Wie lange es ihn allerdings noch geben wird, möchte Döllner nicht abschätzen. Letztlich wird auch die Art der Stromerzeugung, die Batterieentwicklung und auch die Infrastruktur eine wichtige Rolle spielen und über die langfristige Stellung des Verbrennermotors entscheiden. „Die Transformation sollte sich am Strommix orientieren“, erklärt er dem Handelsblatt. Oder anders gesagt: Je mehr erneuerbare Energieformen zum Einsatz komme, desto besser.

Volkswagen AG

21-Milliarden-Invest: VW bekennt sich zu seinen Wurzeln

Der Chefstratege arbeitet bereits an der Produktplanung für die Jahre 2025 bis 2030, wie das Branchenblatt berichtet. Hier ist die Rede von Elektrofahrzeugen der zweiten Generation, welche schneller laden können. Und auch am Plug-in-Hybrid wird im Sinne der Übergangszeit noch weiter getüftelt, wie VW kürzlich erst bekannt gegeben hat. Während die Daimler AG die Entwicklung von PHEVs eingestellt hat, macht VW weiter. So sollen zukünftig auch die teilelektrifizierten Modelle eine größere Batterie erhalten und schneller laden können – für mehr rein elektrische Fahranteile. Gernot Döllner glaubt an den Erfolg der Elektrostrategie, Zweifel daran gebe es für ihn nicht mehr. Ein Grund: „In diesem Jahr hat die EU die vorgegebenen Elektroquoten noch einmal erhöht“, heißt es auf Handelsblatt.com. Bedeutet: Bis zum Jahr 2030 brauchen die Autohersteller in Deutschland einen Elektroanteil von etwa 80 Prozent in der Flotte, sonst drohen empfindliche Strafen. Und dies möchte Diess natürlich tunlichst vermeiden. Döllner sieht dieser Verschärfung jedoch gelassen: „Europa eilt dem hinterher, was Volkswagen vorgelegt hat. Das ist eine Bestätigung unserer Strategie.“

Zur umfassenden Elektrifizierung der europäischen Standorte will der Volkswagen Konzern weitere Synergien heben und Skaleneffekte nutzen. Allein an den niedersächsischen Standorten investiert der Konzern rund 21 Milliarden Euro. Der überwiegende Anteil hiervon fließt in Produktions- und Komponentenstandorte. Hannover wird mittelfristig vollständig elektrisch und damit eine Modernisierung des Standorts einleiten. Mit dem ersten Artemis-Fahrzeug wird das derzeit bedeutendste Zukunftsprojekt in Hannover angesiedelt, die Karosseriefertigung für ein neues Bentley-Modell wurde ebenfalls bestätigt. Außerdem wurde mit dem ID. California ein weiteres Fahrzeugderivat für den Standort verabschiedet. Mit den MOIA-Shuttles und dem ID. BUZZ AD bildet der Standort darüber hinaus die Speerspitze für das Autonome Fahren im Konzern.

Für Wolfsburg wurde die Elektrifizierung des Standortes mit dem Projekt Trinity bestätigt. Außerdem ist angesichts der hohen Nachfrage nach E-Autos die Einrüstung des ID.3 für eine Vollfertigung ab dem Jahr 2024 geplant, deren Wirtschaftlichkeit durch ein Standortpaket sichergestellt werden soll. Vor 2024 ist eine Teilfertigung mit Belieferung aus Zwickau vorgesehen. Mit diesem Plan will das Unternehmen zusätzliches Marktvolumen bedienen, das Zwickau alleine angesichts langfristig guter Auslastungsprognosen nicht erfüllen könnte.

Die deutschen Komponentenwerke setzen ihre 2015 eingeleitete Transformation hin zur E-Mobilität fort. Der Standort Hannover wird künftig neben Hardware für Ladeinfrastruktur auch Achsen für MEB-Modelle fertigen. In Braunschweig, Salzgitter und Kassel investiert der Konzern in den weiteren Ausbau der bestehenden MEB-Fertigung von Batteriesystem, Rotor/Stator und E-Motor. Zusätzlich bereiten sich die Standorte bereits auf die Fertigung wesentlicher Komponenten der SSP-Plattform vor. Damit macht Volkswagen den nächsten Schritt bei seiner strategischen Weiterentwicklung zum Schlüsselanbieter für E-Module und E-Plattformen.

Gesellschafts-Gründung für batteriebezogene Aktivitäten

Der Standort Salzgitter wird weiter zum europäischen Batterie-Hub ausgebaut: Der Konzern investiert rund 2 Milliarden Euro, um ab 2025 in seiner niedersächsischen Gigafabrik Batteriezellen für das Volumensegment der Volkswagen-Einheitszelle zu produzieren. Darüber hinaus werden Entwicklung, Planung und Produktionssteuerung der Batterieaktivitäten in Salzgitter gebündelt: Hierfür hat der Aufsichtsrat die Gründung einer Gesellschaft europäischen Rechts genehmigt. Diese wird die batteriebezogenen Aktivitäten des Konzerns bündeln und perspektivisch die Beteiligung Dritter ermöglichen. Die neue Gesellschaft wird auch die in dieser Woche vereinbarten strategischen Partnerschaften mit Umicore, 24M und Vulcan Energy verantworten. Außerdem wurde für den Standort Osnabrück vereinbart, ein künftiges Produktionsprogramm und für Dresden ein Nachnutzungskonzept zu prüfen.

Der niedersächsische Ministerpräsident und Aufsichtsrat der Volkswagen AG, Stephan Weil, sagte: „89 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren allein in Zukunftstechnologien wie Elektromobilität und Digitalisierung zu investieren – das ist ein deutliches Commitment. So kann die sogenannte „New Auto“-Strategie ein großer Erfolg werden. Dass 21 Milliarden Euro in die niedersächsischen Standorte in Wolfsburg, Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Osnabrück und Emden fließen, ist einmal mehr ein Zeichen, dass der Weltkonzern Volkswagen sich zu seinen niedersächsischen Wurzeln bekennt. Wir freuen uns über dieses starke Signal zur Sicherung von rund 130.000 Arbeitsplätzen.“

Darüber hinaus plant der Konzern weitere Investitionen in die E-Mobilität in Deutschland und Europa: In Leipzig werden mit zwei Porsche-Modellen die Synergien des elektrischen PPE-Baukastens für den Premiumbereich gehoben. Zur Elektrifizierung des Standortes Neckarsulm wurde die Einrüstung der Audi-Fahrzeugfamilie E6 in der Nachfolgergeneration beschlossen. Das schon heute vollständig elektrifizierte Werk in Brüssel erhält ab dem Jahr 2026 den neuen Audi Q8 e-tron. Zudem ist auf der iberischen Halbinsel geplant, ab 2025 im Mehrmarkenwerk Martorell kompakte E-Fahrzeuge und im Mehrmarkenwerk in Pamplona E-Fahrzeuge der SUV-Klasse zu bauen. Die endgültige Entscheidung hängt von den allgemeinen Rahmenbedingungen und der staatlichen Förderung ab.

Döllner und der gesamte VW-Konzern haben also jede Menge zu tun. Wenn es dieses Jahr keine neuen Konflikte mit dem eigenen Betriebsrat gibt, könnte es klappen mit der Umsetzung der neuen Strategie. Wir bleiben dran!

Quelle: Handelsblatt.com, Volkswagen AG

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